Samstag, 15. Oktober 2016

WEEN Appreciation

Wenn mich samstags zur unmenschlichster Zeit im Frühtau zu Berge ein freilaufendes Rebhuhn (oder war es ein Truthahn?)  mit seltsamsten Geräuschen anfällt und ich schlaftrunken in der Hektik meiner Flucht über die Hundeleine stolpere, dabei beinahe meine linke, noch halb in Schlafstarre ruhende Hüfte ausrenke und mir danach ganz plötzlich nach laut Musikhören ist, kann es eigentlich nur eine Band geben, die mir den Tag noch halbwegs rettet:


the almighty WEEN


 
Es war im Jahre 1984 in dem verschlafenen Nest New Hope irgendwo in Pennsylvania. Ein komisch riechender, schelmischer, aber böser Dämon namens Boognish schippert in seinem Poopship aus dem Paralleluniversum vorbei und erscheint den beiden verhaltensoriginellen Vierzehnjährigen Mickey Melchiondo und Aaron Freeman. Er ergreift Besitz von ihnen und beauftragt sie mit der Missionierung des irdischen Jammertals mit Mitteln der Musik und der Kraft der Wörter.
Seitdem spuken sie als die verwunschenen Kobolde Dean und Gene Ween in der Popwelt herum, um vorwiegend amerikanische Genres wie Folk, Country und Rock 'n' Roll durch den Kakao zu ziehen. Apropos Kakao: ihre Farbe ist braun .....und sie zieht sich durch ihr Gesamtwerk - wie die Spuren in gut besuchten Bahnhofstoiletten in Gelsenkirchen. Ween verarbeiten alles Braune zu Musik, sei es patriotische Scheiße oder eben Schokolade.
Vor dem Genuss ihrer Alben sollte man sich jedenfalls zuerst der englischen Sprache bemächtigen und natürlich den Beipackzettel sorgfältig durchlesen. Wenn man die Texte schlecht versteht, könnte man vieles für nette, unschuldige Liebeslieder halten, die auch der netten Tante vorne im Aichtaler Postladen gefallen könnten. Ween verpacken in harmlose Melodien gemeingefährliche Boshaftigkeiten von messerscharfer Parodie und schamlosem Zynismus. Sie sind brillante Musiker (vor allem live) und verzaubern durch komplexe Popharmonien mit oft tragischem Charme.
Sie sind aufmerksame Beobachter der sexistisch-amerikanischen Redneck-Gesellschaft und bewerfen diese treffsicher mit ihren eigenen Fäkalien. Nebenbei fackeln sie deren Vorortromantik in spitzbübischem Gelächter ab und trampeln die Asche in den (doch sehr braunen) Boden. Zugleich führen sie aber genau dieses selbe, beschauliche Dasein in der pennsylvanischen Provinz, haben Kinder und sind zum 3. mal verheiratet. Alles nur Tarnung, denn so ein Kobold muss eben unauffällig bleiben und ist deswegen die meiste Zeit unsichtbar, bevor er wieder urplötzlich zuschlägt.

Ihre 2 größten Streiche sind in meinen Augen die legendäre "Chocolate and Cheese" Lp
und das wohl schönste Country Album der Welt - "12 Golden Country Greats"!

Ween experimentieren grundsätzlich ausgiebig mit Helium, Valium, Pommes und Magic Mushrooms und somit ist es auch nicht verwunderlich, dass ihre Musik oft als eine Mischung aus Hardcore und Prince beschrieben wird.........!

Ehre dem Samstag,
Euer Japanese Cowboy





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